Die Neujahrsansprache des Merkels ist den meisten wohl zum einen Ohr hinein und zum anderen hinaus gegangen. Der Wirrwortsalat des de facto Staatsoberhaupts ist aber durchaus einer gründlicheren Untersuchung wert. Denn an ihren Phrasen sollst du sie erkennen. Dieser Mühe hat sich der immer lesenswerte Blog einheizradio unterzogen.
Unter dem Titel Die Erledigung des Kanzlerin-Problems. befasst sich das einheizradio mit der gar nicht so harmlosen neuen Schlussfloskel “Und so wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, erfülltes und frohes neues Jahr 2013 und Gottes Segen.”
Unter Schmerzen hat das einheizradio die sogenannte Neujahrsansprache unter die Lupe genommen – auch wenns weh tut, und das Programmatische hinter dem Kanzlerinnen- Gewäsch sichtbar gemacht.
Des Merkels frömmelnder Gruß ihres unsichtbaren Spielkameraden steht nun leider nicht alleine da, deswegen kann man sie auch nicht leichtfertig als die Spinnerei einer Pastorentochter abtun. Der Vizepräsident des Bundestages und Mitglied Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Wolfgang Thierse glaubt zu wissen, warum die DDR unterging:
“In der DDR gab es keinen Religionsuntericht an den Schulen, keine Militärseelsorge, keine öffentlichen Bekenntnisse” ,
und droht und mahnt und haluziniert:
“Tatsache ist, Religionslosigkeit kann gefährlich sein. denken sie nur an die schlimmsten religionslosen Verbrecher des 20, Jahrhunderts: Stalin, Hitler, Mao Zedong, Pol Pot”
Der Zöglinng des orthodoxen Tifliser Priesterseminars soll nach Aussagen seines Chauffeurs täglich in seiner Privatkapelle gebetet haben. Maos “Schulausbildung ” bestand im Auswendig lernen konfuzianischer Klassiker, Hittler hatte es schwer mit Wotan, Pol Pot war vermutlich als Kind sechs Jahre in einem buddhistischen Kloster, davon zwei Jahre als Mönch. Muss ein bigotter Anführer einer Pilgereise zum Schrein des “schlimmsten religionslosen Verbrecher(s) im Frühjahr 2005 nicht wissen. Darf ein Vorkämpfer gegen die Trennung von Kirche und Staat auch gar nicht wissen.
Die Kirchen drängen mit Macht ins öffentliche Leben zurück, nicht als folkloristischer Farbtupfer aber als Meinungsmacher und -Führer. Keine Maikundgebung mehr ohne den vorherigen Besuch einer Gottesdienst genannten Propagandaveranstaltung der großen gewerkschaftsfeindlichen Arbeitgeber. Keine Fertigstellung eines Rathauses oder anderer öffentlichen Gebäude ohne kirchlichen “Segen”
Die Zahl der konfessionellen Kindergärten und Schulen ist um 30% gestiegen in den letzten 12 Jahren, denn siehe, für Kommunen wie Gladbeck z.B ist es eine einfache Milchmädchenrechnung: Die 100% Kostenübernahme kommt die Gemeinde billiger als ein eigener Kindergarten, denn da die Kirchen im Gegensatz zu Kommunen Lohndumping betreiben dürfen, sind diese Einrichtungen billiger. Auch fließen Zuwendungen der öffentlichen Hand leichter in religiöse Tendezbetriebe denn in die Kassen nachgeordneter öffentlicher Hände. Dass diese konfessionellen nach ihren eigenen Regeln erziehen, bilden, bezahlen und heuern und feuern wird dabei billigend in Kauf genommen.
Im Lichte dieser Überlegungen sieht die Neujahrsansprache vielleicht für den einen oder anderen nicht mehr ganz so belanglos harmlos aus:
Für alle, die glauben, hinter der verfolgenden Arbeitslosenbetreuung stecke Sinn und Verstand und der Wille, die Lage Arbeitsloser zu verbessern, hier ein Bericht aus der Rubrik. “Arbeitslose treffen Sozialschmarotzer”
Keiner kommt hier lebend raus | Das grosse Thier.
Ähnliches kann jeder Arbeitslose berichten. An eine Sinnhaftigkeit ihres Tuns glauben noch nicht einmal die sich meist von einem zum nächsten zeitlich begrenzten Vertrag hangelnden, “Mitarbeiter” dieser Arbeitslosenverwertungsanstalten.
In Gladbeck sind es bfw und GAFÖG, die mit diesem Betrug am Arbeitslosen beschäftigt sind. Natürlich streng “Gemeinnützig” Der gemeine Nutzen besteht wohl in der Hauptsache, Arbeitslose zu “disziplinieren” und von sinnvoller Beschäftigung abzuhalten und der Öffentlichkeit zu suggerieren, man bemühe sich um die Arbeitslosen, die man nur fit für den Arbeitsmarkt machen müsse. damit sie wieder in Arbeit kämen. Eingeredet werden soll dem leichtgläubigen Publikum, schuld an der Arbeitslosigkeit seien die Arbeitslosen, nicht aber die wirtschaftlichen Verhältnisse oder gar das Wirtschaftssystem
Stimmt, da macht die Post einmal was richtig. Danke für Deine Vorlage, bester Twix. Wird umgehend überall gepostet.
An jedem ersten Mai, den Gott werden lässt, laden die Gewerkschaften zum Tag der Arbeit und leiten ihre Kundgebungen gerne mit ökumenischen Gottesdiensten ein. Gott, der in alle Herzen sieht, mag wissen, warum die Gewerkschafter an diesem Tag die Lohnarbeit feiern und nicht etwa die Arbeiter oder die noch verbliebenen Arbeitnehmerrechte. Vernunftbegabten Wesen entzieht sich diese Erkenntnis leider.
Der Feiertag, der sich in NRW allen ernstes „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde“ nennt, feiert die Evangelische Kirche in Deutschland als “Bitttag um gesegnete Arbeit” ,Dumpinglöhne und Aushöhlung des Streikrechts.
Was die Gewerkschaften anficht, im Zeitalter der Aufklärung und der Trennung von Kirche und Staat sich einem der größten Arbeitgeber des Landes anzubiedern und einer Aberglaubensgemeinschaft zu unverdienter Werbung zu verhelfen, obwohl dieser Arbeitgeber immer wieder beweist, das er von “gerechten” Löhnen und Arbeitnehmerrechten so gar nichts hält, auch das weiß wohl nur der Liebe Gott.
Keine Tarifverträge gibt es zum Beispiel in 27 000 diakonischen Einrichtungen. 43 5000 Beschäftigte werden dort mit “Arbeitsvertraglichen Richtlinien (AVR)” abgespeist. In den 22 evangelischen Landeskirchen gibt es um zwei Dutzend verschiedene “AVR” – oft weit unterhalb des Gehaltsniveaus im öffentlichen Dienst oder bei Privatanbietern. Dank Öffnungsklauseln können selbst diese “AVR” noch unterlaufen werden, oder man bedient sich einfach der “AVR” anderer Landeskirchen, wenn es hilft Lohndumping zu betreiben oder Arbeitnehmerrechte zu beschneiden.
Weil die “Mitarbeitervertretungen” (MAV) kirchlicher Einrichtungen anders als Betriebsräte keinen rechtlichen Anspruch auf Prüfung individueller Arbeitsverträge haben, werden Bewerbern “Individualverträge” aufgezwungen, die noch mal schlechtere Konditionen bieten als die “AVR”
Dank Agenda 2010 bleibt den Bewerben auch keine andere Wahl als diesen Verträgen zuzustimmen. Das Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt hilft so auch die Trennung von Kirche und Moral voran zu treiben. Doch das nur am Rande erwähnt.
Wie der Teufel das Weihwasser scheuen die Kirchenbonzen das Grundrecht auf Streik. Sie sprechen ihren Beschäftigten dieses Recht ab unter Hinweis auf eine obskure “christliche Dienstgemeinschaft” wie man auch gerne auf seine Eigenschaft als Tendenzbetrieb hinweist . Am 20. November muss das Bundesarbeitsgericht in dieser Frage entscheiden.
“Es ist nicht länger hinnehmbar, daß die Kirchen im Arbeits- und Tarifrecht außerhalb der allgemein geltenden Gesetze agieren und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so zu Beschäftigten zweiter Klasse machen.” zitiert die junge welt das ver.di-Bundesvorstands- mitglied Ellen Paschke .
Natürlich sind sich Kirche und Diakonie keiner Schuld bewusst, wenn sie Tarifverträge torpedieren und ganz im Gegenteil Arbeitnehmerrechte weiter beschneiden will, indem das kirchliche “Arbeitsrechtsregelungsgesetz Diakonie” (ARRG-D) so geändert wird, dass eine “Arbeitsrechtliche Kommission auch ohne Arbeitnehmerbeteiligung rechtsverbindliche Regelungen, also Änderungen der AVR-K, beschließen kann.
Schuld haben natürlich in den Augen der EKD die Vertreter der Arbeitnehmer, hatten diese doch im Frühjahr 2011 die für die “Lohnfindung” zuständige Kommission wegen schlechter Angebote verlassen und damit angeblich “eine Vereinbarung über Gehaltsverbesserungen auf unbestimmte Zeit verhindert”.
Mit einem für alle Betriebe des Gesundheits- und Sozialwesens geltenden Tarifvertrag könnte man dem Dumpingwettbewerb in der Branche vielleicht ein Ende setzen, allerdings nur, wenn diese Regelung allgemeinverbindlich würde. Dazu müsste ver.di allerdings auch in den Kirchen reguläre Tarifverträge durchsetzen, weil die Kirchen einen Großteil der betroffenen Einrichtungen betreiben. Es ist daher im Interesse auch der Arbeiter und Angestellten in staatlichen, und privaten Trägern, ihre bei Diakonie und Caritas beschäftigten Kollegen zu Unterstützen.
Ein erster Ansatz wäre zum Beispiel den Kirchen beim nächsten ersten Mai nicht auch noch eine Bühne zu bieten, auf der sie sich als sozial inszenieren kann, während sie sich den eigenen Mitarbeitern wenig sozial zeigt. Im Kampf für eine gerechte Bezahlung und anständige Arbeitsbedingungen nämlich “hilft kein Gott, kein höheres Wesen”. Dessen selbst ernannten Sachwalter jedenfalls werden diesen Kampf eher torpedieren, denn unterstützen.